Mentaltraining

Wie Mentaltraining den Unterschied ausmachen kann

Vielleicht hast Du es auch schon einmal gelesen: Erfolgreiche Profi-Sportler nutzen Mentaltraining für sich.
Doch nicht nur Sportler, sondern auch erfolgreiche Unternehmer und Selbstständige tun dies.
Doch was kann Dir mentales Training bringen, und wieso solltest Du es für Dich nutzen?

Dazu eine kleine Geschichte aus meinem Leben.

Zu Beginn meiner Karriere als Mentaltrainer arbeitete ich mit einer Tanzgruppe. Die 12-jährigen Mädels aus einem Dorfverein in der Nähe von Göttingen wollten sich für die Deutschen Meisterschaften im Video-Clip-Dancing qualifizieren. Sie hatten einehervorragende Trainerin und auch den Willen, entsprechend viel und hart zu trainieren – schon einmal gute Voraussetzungen für den Erfolg. Die Trainerin bemerkte jedoch, dass die Mädels bei Wettkämpfen gegen Tanzvereine aus großen Städten teilweise sehrverschüchtert agierten und nicht ihre persönliche Bestleistung abrufen konnten. Sätze wie:

  • „Die Tanzvereine sind doch einfach zu gut für uns. Wir sind doch nur ein Sportverein.“ oder
  • Wie sollen wir nur gegen große Städte wie Hamburg oder Göttingen gewinnen?“

waren keine Seltenheit. Diese Gedanken hemmten die Mädels natürlich in ihrer Performance. Sie konnten nicht mehr befreit, voller Energie und in ihrem besten Zustand auf die Bühne gehen. Schon als sie auf die Bühne gingen, sah ich bei vielen Mädchen hängende Schultern und Blicke, die wenig Spaß und Mut verrieten.
Das sah bei Veranstaltungen in ihrer Nähe ganz anders aus. Dort waren sie selbstsicher, voller Energie und Spaß und wollten allen Zuschauern immer um jeden Preis zeigen, was Sie können. Die Vorführungen sahen dann dementsprechend gut aus. Sie begeisterten so das Publikum und jedes einzelne Mädchen konnte seine persönliche Bestleistung abrufen. Bei Norddeutschen Meisterschaften oder Qualifikationsturnieren sah das jedoch leider häufig anders aus.

Vielleicht kennst Du das auch von Dir selbst. In Deinem gewohnten Umfeld läuft alles so, wie Du es willst. Du kannst performen und Deine persönliche Bestleistung abrufen, aber wenn es wirklich wichtig und schwierig wird, kommen komische Gedanken in Dir auf, die dafür sorgen, dass Du nicht mehr Dein Bestes geben kannst. Das war auch hier der Fall.

Deshalb begann ich mit den Tänzerinnen mental zu arbeiten. Wir trainierten Visualisierungen, die dafür sorgten, dass die Tänzerinnen ihre Bewegungen noch besser ausführen konnten und sie sich in einen besseren energetischen Zustand bringen konnten. Des Weiteren trainierten wir Körperstatusübungen, die dafür Sorge trugen, dass die Gruppe sich auf der Bühne geschlossen im Hochstatus präsentierte, sich aufrichtete und Selbstsicherheit ausstrahlte. Ihre Präsenz und Ausstrahlung wurden dadurch wesentlich größer und intensiver. Dies waren spannende Fortschritte, die, ergänzt durch das hervorragende Training der Trainerin, entsprechend erste Verbesserungen bewirkten.

Doch ein Faktor blieb die ganze Zeit wie festgenagelt in ihren Köpfen. „Gegen die Tanzvereine aus großen Städten können wir doch nicht gewinnen. Das geht doch nicht.“
So zermarterte ich mir den Kopf und überlegte, wie ich es schaffen könnte, dass die Mädels einen anderen Fokus erhielten. Dass sie sich nicht auf die anscheinend unschlagbaren Tanzvereine aus den übermächtigen Städten konzentrieren würden, sondern auf ihre eigene Leistung bzw. auf etwas, das Sie mit Leichtigkeit, Spaß und Freude auf die Bühne gehen lassen würde. Und da kam mir auf einmal eine Idee: Wenn ich schon nicht diese Gedanken aus ihrem Kopf bekommen würde, dann könnte ich diese Gedanken vielleicht durch etwas Anderes ersetzen und ihren Fokus auf einen anderen Punkt lenken.
Um das zu erreichen, musste etwas Außergewöhnliches, etwas Spaßiges und Seltenes her. Etwas, mit dem die Tänzerinnen nie im Leben rechnen würden und das ihnen bei Erreichen riesige Freude bereiten würde. Deshalb bot ich den Mädels eine Art Wette an. Wenn sie es schaffen würden, sich für die Bundesliga zu qualifizieren, also unter die besten 12 Mannschaften Deutschlands zu gelangen, dann dürfen sie mir die Haare schneiden.

Nach Einschätzung der Trainerin war die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft schon ein riesiger Erfolg. An Bundesliga war also eigentlich gar nicht zu denken, obwohl die theoretische Chance natürlich bestand. Das wussten natürlich auch die Mädels. Der Gedanke, mir die Haare zu schneiden und mir eine Glatze oder Schlimmeres zu verpassen, gefiel den 12-Jährigen sehr. Und auf einmal wanderte der Fokus weg von den großen Tanzvereinen aus den großen Städten hin zu der Chance, mir die Haare wild schneiden zu können.

Die Deutschen Meisterschaften fanden vor knapp 2.000 Zuschauern in Heidelberg statt und die Mädels waren bereit. Sie warenkonzentriert, top trainiert, gut vorbereitet und hatten, bedingt durch die Wette mit mir, auch die nötige Lockerheit. Sie agierten mit heißem Herzen und kühlem Kopf.
Kurz bevor sie die Bühne vor ihrem ersten Auftritt betraten, war ich backstage dabei. Unmittelbar bevor sie auf die Bühne liefen, symbolisierten mehrere Tänzerinnen, dass meine Haare jetzt dran sind, indem sie mit ihren Fingern eine Schere darstellten. Die letzte rief mir noch zu: „So Christian, jetzt sind Deine Haare fällig. Verabschiede Dich schon einmal von Ihnen“. Ich war gespannt. Die Stimmung war gut, sie waren heiß und konzentriert zugleich und es schien so, als würden sie sich von niemand mehr beeindrucken lassen. Ich war gut gestimmt, genoss ihren Auftritt und dachte mir nur:
Das hat definitiv funktioniert. Es steht zwar in keinem Lehrbuch über Mentaltraining, aber es funktioniert.

Nachdem alle 25 Mannschaften ihren Auftritt geleistet hatten, gab es die erste Bewertung der Jury, die laut verlesen wurde – von hinten beginnend. Bis Platz 15 machte ich mir keine Sorgen, dann kam Platz 12, 10 und der Sportverein Volpriehausen wurde immer noch nicht genannt. Bei Platz 7 war es dann soweit.

Platz 7: Sportclub Volpriehausen. Der Hammer!

Siebtbeste Mannschaft nach der Vorrunde bei den Deutschen Meisterschaften. Unglaublich!
Um sich für die Bundesliga zu qualifizieren, musste man nach Vorrunde und Endrunde unter den besten 12 Teams sein. Also eine top Ausgangssituation. Nach der Endrunde war es dann Platz 9 und somit die Qualifikation für die Bundesliga im Video-Clip-Dancing. Als einziger Sportverein. Wahnsinn.

Mit dieser Geschichte will ich Dir drei Sachen verdeutlichen:

  1. Wie wichtig es ist, ein heißes Herz mit einem kühlen Kopf zu kombinieren
  2. Dass unser mentaler Fokus entscheidend zu unserer Leistung beiträgt
  3. Was Gedanken für Auswirkungen haben können.

Wie sieht es in Deinem Leben aus? Kann es sein, dass Du Dich in bestimmten Bereichen auch einfach kleindenkst und selbst dafür sorgst, dass Du nicht Deine persönliche Bestleistung abrufen kannst?

Vielleicht fragst Du Dich noch was mit meinen Haaren geschah. Ich kann Dir nur eines sagen. Die Mädels hatten viel Spaß und haben keine Gnade walten lassen.